Nicola Matteis

Der Geiger, Gitarrist und Komponist Nicola Matteis wurde um 1650 in Neapel geboren. Er blieb nicht lange in Italien. Schon zwanzigjährig zog es ihn nach Norden, barfuss durchschritt er Deutschland und um 1670 kam er in London an.

Revolutionär
England, mit Musik beschaulicher Gambenconsorts vor sich hindösend, wurde durch Matteis wie von einem heissen Sturm erfasst. Die ganze Palette menschlicher Gefühle, die Dramatik menschlicher Existenz wurden von dem Italiener bis zum Exzess musikalisch offengelegt. So notierte der zeitgenössische Biograph Roger North über ein Konzert Matteis': "Man glaubte den Mann ausser sich. So leidenschaftlich war seine Darstellung der Extreme, wie ich sie nie zuvor oder danach gehört hatte." Für die zurückhaltenden Briten war dieser italienische Teufelsgeiger ein Revolutionär.

Barocker Popstar
In London stiess Nicola Matteis zuerst auf Unverständnis. Man warf ihm eine unerhörte Arroganz vor, und er wollte und konnte so keine öffentlichen Konzerte spielen. Nach und nach aber gewann er sein Publikum und feierte schliesslich triumphale Erfolge.

Idealisierend schrieb John Evelyn, ein anderer Biograph, über ihn: "Sicherlich hat niemals ein Sterblicher Matteis auf seinem Instrument übertroffen." Der hoch angesehene, vermögende Musiker lebte wie ein Popstar, kaufte sich ein grosses Haus, in welchem er ausschweifendem italienischem Luxus frönte. Nicht ohne Folgen: Matteis verlor seine künstlerischen Fähigkeiten und starb, finanziell, geistig und körperlich ruiniert.

Geheimnis
Die Musik von Matteis ist ein Geheimnis. Ein Blick in die überlieferten Notendrucke lässt die geschilderte Farbigkeit seiner Aufführungen nur erahnen. Zeitgenossen schrieben, dass diese Noten "nichts von der Art seines Spiels, welche die Stücke viel reichhaltiger machte", zeigen. Das bestätigt die Vermutung, dass hier nur bruchstückhaft abgebildet ist, was Matteis' Musik als Ganzes ausmachte.

Nicola Matteis ist in vieler Hinsicht ein idealer Ausgangspunkt für unsere Explorationen. Bei seinem Geheimnis setzen wir an: In der Diskrepanz zwischen der rudimentären Notation und den die Zeitgenossen faszinierenden Aufführungen entsteht eine Öffnung, die es uns erlaubt, das Essenzielle in Matteis’ Musik zu erfassen, das Zeitlose darin und die damit verbundene Möglichkeit, Jahrhunderte zu überbrücken. Nicola Matteis starb vor bald 300 Jahren. Heute finden seine Musik und sein Leben, beide so sehr menschlich und dramatisch, im Matteis Project auf zeitgemässe Art ihren Raum.